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Herpes simplex
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Als Herpes simplex (zu lateinisch simplex ‚einfach‘) bezeichnet man verschiedene durch Herpes-simplex-Viren hervorgerufene Virusinfektionen. Umgangssprachlich wird fĂŒr eine spezielle Lokalisation auf der Haut meist die verkĂŒrzte Form (Lippen-)Herpes verwendet. Das Wort stammt vom altgriechischen ጕρπΔÎčΜ herpein (‚kriechen‘), womit die kriechende Ausbreitung der HautlĂ€sionen bei einer Herpes-simplex-Infektion (auch in Form des Herpes febrilis mit FieberblĂ€schen) gemeint sei. Herpes simplex gehört zu den sexuell ĂŒbertragbaren Krankheiten.

Contents

‱ Geschichte
‱ Erreger
‱ Diagnostik
‱ Behandlung
‱ Vorbeugung
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Beschreibung

Die Erreger von Herpes-simplex-Infektionen sind zwei verschiedene Virusspezies: das Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1) und das Herpes-simplex-Virus 2 (HSV-2). Sie zeigen hinsichtlich ihrer Krankheitsbilder und der Krankheitslokalisation geringfĂŒgige Abweichungen. Nach dem Auftreten sowie der Lokalisation der Krankheitssymptome werden klinisch verschiedene HSV-Infektionen bezeichnet, von denen vor allem der Herpes simplex labialis (Lippenherpes) und der Herpes simplex genitalis (Genitalherpes) verbreitet sind. Neben diesen Formen gibt es auch seltene, schwer verlaufende HSV-Infektionen wie die generalisierte HSV-Sepsis bei Patienten mit Immundefizienz, die Herpes-simplex-Enzephalitis und die generalisierte HSV-Infektion des Neugeborenen (Herpes neonatorum).

Nach einer (auch symptomlosen) Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand (Latenz) stets lebenslang im Organismus, was als persistierende Infektion bezeichnet wird. Diese Eigenschaft der Persistenz ist bei allen Mitgliedern der Familie Herpesviridae zu finden. Die Therapie von HSV-Infektionen vermag diese Persistenz nicht zu beenden, sondern sie versucht die Vermehrung des Virus nach einer erfolgten Reaktivierung aus dem Ruhestadium zu verhindern. FĂŒr die HSV-Therapie stehen mehrere Virostatika zur VerfĂŒgung, die hoch spezifisch sind.

Geschichte

Die genitale Manifestation des Herpes simplex wurde bereits von Hippokrates um 400 v. Chr. als Symptom einer sich ausbreitenden BlĂ€schenkrankheit beschrieben.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2] Dass die Erkrankung auch ĂŒbertragbar ist, war spĂ€testens in der römischen Antike bekannt, da Kaiser Tiberius das KĂŒssen bei öffentlichen Zeremonien verbot, da die Ausbreitung einer BlĂ€schenerkrankung an den Lippen beobachtet wurde. Dies wurde von Aulus Cornelius Celsus als erste Epidemie einer möglichen Herpeserkrankung dokumentiert. Im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts war der Herpes labialis ebenfalls weit verbreitet und seine Übertragung durch KĂŒssen allgemein bekannt. So schreibt William Shakespeare in seiner bekannten Tragödie Romeo und Julia: “O’er ladies’ lips, who straight on kisses dream, Which oft the angry Mab with blisters plagues, because their breaths with sweetmeats tainted are.” (Übersetzung: „Der Schönen Lippen, die von KĂŒssen trĂ€umen, Oft plagt die böse Mab mit BlĂ€schen diese, Weil ihren Odem NĂ€scherei verdarb“; erg. ErlĂ€uterung: Der im Zitat vorkommende Name Mab bezieht sich auf die Fee „Queen Mab“, die in dem Werk in einer Rede Mercutios vorkommt).cite-ref-3[3]

Jean Astruc erkannte 1736 den Herpes genitalis als eigene Krankheit, und nicht wie zuvor angenommen als Variante der Gonorrhoe oder der Syphilis.cite-ref-4[4] Der deutsche Dermatologe Paul Gerson Unna beschrieb 1883 die HĂ€ufigkeit der Erkrankung und ihr gemeinsames Auftreten zusammen mit weiteren Geschlechtskrankheiten.cite-ref-5[5] Er fĂŒhrte auch die ersten histologischen Untersuchungen ĂŒber den Herpes simplex durch. Nachdem 1913 Wilhelm GĂŒrtler den Erreger der Herpes-Keratitis (Herpes corneae) experimentell auf ein Kaninchenauge ĂŒbertragen konnte, fand Ernst Löwenstein mit der Übertragung von BlĂ€scheninhalt des Herpes labialis auf ein Kaninchenauge die IdentitĂ€t des Erregers beider Erkrankungen. Das HSV wurde schließlich erstmals von Slavin und Gavett 1946 aus BlĂ€scheninhalt eines Patienten isoliert und charakterisiert.cite-ref-6[6] Die erste elektronenmikroskopische Darstellung von Herpes-simplex-Viren gelang Coriell 1950.cite-ref-7[7] In den 1950er Jahren gab es Berichte ĂŒber erfolgreiche Versuche, den Herpes labialis wie den Herpes zoster mit Antibiotika wie Penicillin und Aureomycin zu behandeln.cite-ref-8[8] Erst in den 1960er Jahren wurde durch Andre Nahmias und besonders Karl Eduard Schneweis entdeckt, dass die Herpes-simplex-Infektionen von zwei verschiedenen Virusspezies verursacht werden, die die Forscher aufgrund ihrer verschiedenen AntigenitĂ€t unterscheiden konnten.cite-ref-9[9]cite-ref-10[10]

Erreger

Herpes-simplex-Viren

Die beiden Erreger von Herpes-simplex-Infektionen – die Herpes-simplex-Viren 1 und 2 – die taxonomisch und korrekter auch als Humanes Herpesvirus 1 und 2 (HHV-1/2) bezeichnet werden, gehören zur Gattung Simplexvirus der Familie Herpesviridae. Den Herpes-simplex-Viren verwandte Mitglieder dieser Gattung sind auch bei Tieren zu finden, wo diese Viren beispielsweise bei Rindern oder Klammeraffen, Makaken und anderen Meerkatzenverwandten Ă€hnliche Erkrankungen hervorrufen. Obwohl Herpesviren im Allgemeinen streng auf ihren jeweiligen Wirt spezialisiert sind, kann selten das dem HSV-1 Ă€hnliche Cercopithecine Herpesvirus 1 (Herpesvirus simiae) der Makaken auf den Menschen ĂŒbertragen werden, wo es schwere, generalisierte Infektionen hervorrufen kann.

Die Herpes-simplex-Viren gehören mit einem Durchmesser von 140 bis 180 nm zu den großen Viren.cite-ref-11[11] In einem ikosaedrischen Kapsid befindet sich eine lineare, doppelstrĂ€ngige DNA als Genom. Das Kapsid wiederum ist von einer VirushĂŒlle umgeben, was zu einer Empfindlichkeit der Viren gegenĂŒber Seifen, Detergenzien oder bereits milden Desinfektionsmitteln fĂŒhrt. Zwischen Kapsid und VirushĂŒlle befindet sich eine Vielzahl von Virusproteinen, die sogenannten Tegumentproteine, die unter anderem fĂŒr die Regulation der Genexpression in der Wirtszelle und den Übergang des Virus in ein ruhendes Latenzstadium verantwortlich sind. Als doppelstrĂ€ngiges DNA-Virus sind die Herpes-simplex-Viren genetisch stabil, Mutationen und die Entstehung natĂŒrlicher Varianten sind eher selten.

Übertragung und Verbreitung

Herpes-simplex-Viren sind weltweit verbreitet, der Mensch ist fĂŒr sie als Reservoir der einzige natĂŒrliche Wirt. Da das HSV-1 bereits durch Speichelkontakt und Schmierinfektion ab dem SĂ€uglingsalter im normalen familiĂ€ren Umgang erworben wird, ist es in der Bevölkerung hĂ€ufig. Das Virus zeigt eine altersabhĂ€ngige SeroprĂ€valenz, die etwa am Ende der PubertĂ€t hohe Prozentzahlen erreicht und dann nur noch gering weiter ansteigt. In Deutschland konnten bei 84 bis 92 % der Personen einer altersnormalisierten Stichprobenuntersuchung Antikörper gegen HSV-1 nachgewiesen werden.cite-ref-12[12]

Das HSV-2 wird durch engen Schleimhautkontakt ĂŒbertragen, wenn beim VirustrĂ€ger das Virus gerade reaktiviert und sich in Epithelzellen erneut vermehrt. Die Virusausscheidung kann auch ohne sichtbare LĂ€sionen geschehen. Die PrĂ€valenz von Antikörpern gegen das HSV-2 ist unterschiedlich verteilt. Sie wird besonders vom Alter und der sexuellen AktivitĂ€t beeinflusst; ebenfalls ist die geographische Verbreitung unterschiedlich. Bei gesunden Blutspendern oder GesundheitsĂŒberwachungen gab es HĂ€ufigkeiten von 3 bis 23 % in den USA. Diese Zahl ist signifikant höher bei Patienten, die wegen einer anderen sexuell ĂŒbertragbaren Krankheit einen Arzt konsultierten (bis 55 %) oder gewerbliche Prostitution betrieben haben (bis 75 %).cite-ref-13[13]

Infektionsmechanismen

Die HS-Viren dringen bei einer PrimĂ€rinfektion ĂŒber die Schleimhautzellen des Mund-Rachen-Raumes (ĂŒberwiegend das HSV-1) und des Genitaltraktes (ĂŒberwiegend das HSV-2) ein. Bereiche am Übergang von Schleimhaut zu normaler Haut werden bevorzugt infiziert. Hier vermehren sich die Viren in den Epithelzellen. Die Ausbreitung der Herpes-simplex-Viren innerhalb des Epithels geschieht durch Zerstörung der Wirtszellen und Freisetzung neuer Virionen oder durch Verschmelzen benachbarter Zellen, wobei die unbehĂŒllten Viruskapside die neue Zelle infizieren. Die Zerstörung der Epithelzellen Ă€ußert sich klinisch in einer EntzĂŒndungsreaktion, oft bildet sich durch Gewebszerstörung ein Ulcus oder ein entzĂŒndliches HautblĂ€schen. Die BlĂ€schenflĂŒssigkeit ist ein Exsudat, in dem sich Herpes-simplex-Viren in einer hohen Konzentration (>100.000 PFU/”lcite-ref-14[14]) anreichern.

Durch direkten Zell-Zell-Kontakt oder durch Virionen in der ZwischenzellflĂŒssigkeit gelangt das HSV zu den Nervenenden sensibler Neurone, von denen es spezifisch aufgenommen und entlang den Mikrotubuli und IntermediĂ€rfilamenten des Axons zum Zellkörper des Nervs transportiert wird. Dieser retrograde axonale Transport geschieht durch Bindung des Virus (als nacktes Viruskapsid, eventuell mit Restanteilen von Tegumentproteinen und HĂŒllproteinen) an kinesin-Ă€hnliche Proteine und Dynein. Die Wanderungsgeschwindigkeit in Richtung Zellkörper betrĂ€gt etwa 0,7 ”m pro Sekunde.cite-ref-15[15]

Erkrankungsformen

Herpes labialis

Bei dieser Form treten meist rund um den Mund wunde Stellen mit BlĂ€schen („Fieberblasen“) auf. Meistens zeigt sich eine Herpes-simplex-Infektion in der Form der Herpes labialis (Lippenherpes, Herpes simplex labialis) als Reaktivierung einer schon bestehenden HSV-Infektion; das HSV-1 ist mit 80 bis 90 % der FĂ€lle deutlich hĂ€ufiger als HSV-2. Etwa 40 % der erwachsenen Bevölkerung erleben mindestens einmal im Leben eine als BlĂ€schen sichtbare Reaktivierung.cite-ref-16[16] Etwa 10–20 % vor allem der jĂŒngeren Erwachsenen berichten von mehrfachen oder gelegentlichen RĂŒckfĂ€llen (Rezidive, Herpes simplex rezidivans). Eine bevorzugte Stelle des Rezidivs ist der Übergangsbereich zwischen Haut und Lippenrot oder die Mundwinkel. Die GrĂŒnde dafĂŒr sind die hohe Dichte an sensorischen Nervenenden an der Lippe und das Offenliegen jener Epithelschichten, die fĂŒr die Vermehrung des Virus besonders gĂŒnstig sind. Zu den Ursachen fĂŒr ein Herpes-Rezidiv gehören akuter emotionaler Stress und Sonnenstrahlung.cite-ref-17[17]cite-ref-18[18]cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]

Fiebrige Infektionskrankheiten können von der Reaktivierung eines Herpes labialis begleitet werden. Da die BlĂ€schen schon im Prodromalstadium oder im frĂŒhen akuten Stadium einer zusĂ€tzlich auftretenden Infektionskrankheit sichtbar werden und diese Stadien meist mit hohem Fieber einhergehen, wird das Herpes-labialis-Rezidiv dann als Herpes febrilis („FieberblĂ€schen“) bezeichnet. Eine oft beobachtete Reaktivierung des Herpes labialis kurz vor oder wĂ€hrend der Menstruation wird gelegentlich auch Herpes menstrualis genannt.

Der Herpes labialis kann bei einer Erstinfektion mit milden oder fehlenden Symptomen verlaufen. Bilden sich BlĂ€schen, so stehen sie – im Gegensatz zum Rezidiv – ĂŒber ein grĂ¶ĂŸeres Hautareal weiter verstreut auseinander. Eine HSV-Erstinfektion als Herpes labialis kann bei Kindern klinisch schwerer verlaufen und mit einem allgemeinen KrankheitsgefĂŒhl, Fieber und Kopfschmerzen einhergehen. Die BlĂ€schen können zu grĂ¶ĂŸeren Ulzerationen zusammenfließen und zusĂ€tzlich mit Bakterien (hĂ€ufig Staphylococcus aureus) superinfiziert sein. Gelegentlich sind zusĂ€tzlich die Mundschleimhaut und das Zahnfleisch in die Infektion einbezogen, wo sich schmerzhafte BlĂ€schen (Aphthen) und Ulzera bilden. Diese typische Erstmanifestation wird auch als Gingivostomatitis herpetica, Stomatitis herpetica oder MundfĂ€ule bezeichnet.

Andere Lokalisationen

Eine Herpes-simplex-Infektion kann durch ein Verschleppen der Viren auch in solchen Hautarealen auftreten, in denen primĂ€r eine Erstinfektion nicht zu erwarten ist. Dies geschieht nach einem Kontakt der HĂ€nde mit den offenen BlĂ€schen eines Herpes labialis oder Herpes genitalis durch ein Einreiben der Erreger in verletzte oder empfĂ€ngliche Hautpartien (Autoinokulation). Es folgen danach BlĂ€schenbildung an der Nase (Herpes nasalis), der Wange (Herpes buccalis, Herpes facialis), dem Augenlid oder anderen Körperstellen (Herpes corporis). Eine Sonderform ist die Infektion sonst wenig empfĂ€nglicher Hautpartien durch Gewalteinwirkung, wie sie bei speziellen Sportarten passiert. Die Form eines Herpes gladiatorum wurde zuerst bei Ringern beobachtet.cite-ref-21[21] Bei jugendlichen Ringern können Erstinfektionen in grĂ¶ĂŸerem Maße ausbrechen, z. B. in Trainingslagern.cite-ref-22[22] Bei Rugby-Spielern wurde Ähnliches beobachtet.cite-ref-23[23]

Aufgrund der typischen BlĂ€schen kann das Auftreten von Herpes-simplex-Infektionen auf verschiedenen Hautpartien klinisch einem Herpes zoster (GĂŒrtelrose), also einer Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus, Ă€hnlich sein. Dies ist besonders dann der Fall, wenn die HSV-LĂ€sionen der Haut zufĂ€llig in dem fĂŒr Herpes zoster ĂŒblichen Hautdermatom auftreten. Man spricht dann von einem „zosteriformen Herpes simplex“. Umgekehrt kann eine atypisch lokalisierte GĂŒrtelrose als HSV-Infektion missgedeutet werden, dies ist der sogenannte „herpetiforme Zoster“.

Sonderformen und generalisierte Erkrankungen

Ekzema herpeticatum

Auf dem Boden einer chronischen Hauterkrankung wie beispielsweise dem atopischen Ekzem, der Schuppenflechte oder dem Morbus Darier kann es zu einer zusĂ€tzlichen Herpes-simplex-Infektion grĂ¶ĂŸerer Hautareale kommen. Dieses sogenannte Ekzema herpeticatum (oder auch Ekzema herpeticum) ist im Rahmen einer PrimĂ€rinfektion oder einer Reaktivierung der Herpes-simplex-Viren möglich; hĂ€ufiger Erreger ist das HSV-1. Das klinische Bild erscheint als verteilte, teils in Gruppen angeordnete BlĂ€schen, die konfluieren und rasch platzen. Das Ekzema herpeticatum geht oft mit einem schweren KrankheitsgefĂŒhl einher und birgt als generalisierte Herpes-simplex-Infektion die Gefahr einer Herpes-simplex-Enzephalitis oder bei immundefizienten Patienten einer Herpes-Sepsis. Ein Ekzema herpeticatum bei Kindern kann ebenfalls zu einer sehr ernsten Sepsis fĂŒhren und ist dringend medikamentös zu behandeln.cite-ref-24[24]

Herpes-simplex-Retinitis

Eine besondere Form der Infektion in Nervengewebe ist die Infektion der Netzhaut des Auges (Retina), die sogenannte Herpes-simplex-Retinitis.cite-ref-25[25] Sie gehört zu den endogenen, intraokulĂ€ren Infektionen, das bedeutet, dass die Infektion immer durch eine Reaktivierung des Virus und nicht durch fortschreitende Infektion ĂŒber eine andere, Ă€ußere HSV-Infektion des Auges (Herpes corneae) erfolgt. Bei der HSV-Retinitis findet man Exsudate in der Retina sowie lokale EntzĂŒndungsherde, die sich rasch zu einem Untergang von Netzhautgewebe (Retinanekrose) entwickeln können und damit zur Erblindung fĂŒhren. Eine HSV-Retinitis wird auch unmittelbar oder Jahre nach einer Herpes-simplex-Enzephalitis beobachtet.cite-ref-26[26]cite-ref-27[27] In diesen FĂ€llen gelangt das Virus ĂŒber den Sehnerv in die Netzhaut, die beide anatomisch als Hirnbestandteile gelten.

Herpes-simplex-Enzephalitis

Die Herpes-simplex-Enzephalitis ist eine sehr gefÀhrliche Erkrankung mit Befall des Zentralnervensystems und hoher Sterblichkeit (unbehandelt ca. 70 %). Schon bei Verdacht ist eine antiviral-medikamentöse Behandlung angezeigt. Sehr oft verbleiben auch anhaltende neurologische Defizite nach durchgemachter Erkrankung.

Bell-LĂ€hmung

Eine Infektion mit HSV-1 wird als hĂ€ufige Ursache einer besonderen Form einer LĂ€hmung des Gesichtsnerven (Nervus facialis) diskutiert.cite-ref-28[28] Diese sogenannte Bell-LĂ€hmung, eine idiopathische periphere FazialislĂ€hmung, ist ursĂ€chlich noch nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt. Möglicherweise findet eine Demyelinisierung der HSV-infizierten Nervenscheiden statt, die nicht durch die Vermehrung des Virus selbst hervorgerufen wird, sondern auf einer viral induzierten Immunantwort beruht.cite-ref-29[29] Dies wĂŒrde auch die Unwirksamkeit von Virostatika trotz nachgewiesener HSV-1-Infektion erklĂ€ren, da diese nur die Virusvermehrung, nicht aber die fehlgeleitete Immunantwort unterdrĂŒcken.

Herpes-simplex-Ösophagitis

Eine HSV-Infektion der Schleimhaut der Speiseröhre (Ösophagitis) kann im Rahmen einer Reaktivierung aus den Neuronen des Mund-Rachen-Raumes auftreten.cite-ref-30[30] Typischerweise findet man bei dieser Form keine zusĂ€tzlichen LippenblĂ€schen als Zeichen der Reaktivierung, in 2/3 der FĂ€lle ist der untere Ösophagusabschnitt betroffen. Charakteristisch bei der endoskopischen Untersuchung sind scharf begrenzte, kleine, flache Ulzera der Schleimhaut. Die Auslöser fĂŒr die HSV-Ösophagitis sind meist schwere Grunderkrankungen oder eine immunsupprimierende Therapie mit Corticosteroiden oder Zytostatika. BegĂŒnstigt wird diese Lokalisation durch eine SchĂ€digung der Speiseröhre, beispielsweise bei einer Strahlentherapie, einer schweren Refluxösophagitis, dem Liegen einer Magensonde oder nach chemischen SchĂ€digungen (VerĂ€tzung). Liegen keine erkennbaren Ursachen vor, ist der Immunstatus des Patienten zu ĂŒberprĂŒfen. Eine HSV-Ösophagitis im Rahmen einer HIV-Infektion gilt als AIDS-definierende Erkrankung.

Sehr selten kann eine HSV-Ösophagitis auch als Begleiterkrankung einer klinisch stark ausgeprĂ€gten HSV-Erstinfektion auftreten. Diese Form ist auch bei immunkompetenten, nicht-vorerkrankten Patienten möglich, hĂ€ufiger bei MĂ€nnern als Frauen. Bei diesen FĂ€llen der Erstinfektion liegt immer gleichzeitig eine Stomatitis herpetica vor.cite-ref-31[31] Die HSV-Ösophagitis beim Immunkompetenten ist meist selbstlimitierend, neben einer symptomatischen Behandlung der Beschwerden ist eine antivirale Therapie meist nicht notwendig.

Generalisierter Herpes simplex

Die Herpes-simplex-Viren können auch Erkrankungen hervorrufen, die nicht primĂ€r ĂŒber eine neuronale Ausbreitung entstehen, sondern ĂŒber die Blutbahn als vorĂŒbergehende oder dauerhafte VirĂ€mie. Eine Abgrenzung zu zusĂ€tzlichen Symptomen einer Erstinfektion oder einer Reaktivierung ist nicht immer streng möglich. Die schwerste Form der generalisierten Infektion ist die „Herpes-simplex-Sepsis“, oder – da die Bezeichnung Sepsis strenggenommen nicht fĂŒr Viren verwendet wird – die disseminierte Herpes-simplex-Infektion.

Herpes-simplex-Infektionen in der Schwangerschaft

Die generalisierte Herpes-simplex-Infektion des Neugeborenen, der Herpes neonatorum, ist eine sehr schwere und dringend behandlungsbedĂŒrftige Erkrankung. Ursache ist meist eine Übertragung des HSV-2 (weniger HSV-1) von der Mutter auf das Kind wĂ€hrend des Geburtsvorganges. Bei GebĂ€renden mit einer Erstinfektion mit HSV-2 und einer Manifestation des genitalen Herpes im 3. Trimester (ab der 34. Schwangerschaftswoche), ist das Risiko eines Herpes neonatorum besonders hoch. Eine Entbindung durch Kaiserschnitt kann die Infektion des Kindes jedoch vermeiden. Der Herpes neonatorum betrifft beim Neugeborenen die Haut (lokal begrenzt oder großflĂ€chig verteilt), den Mund-Rachen-Raum, innere Organe und in der gravierendsten Form auch das Zentralnervensystem als Herpes-simplex-Enzephalitis.

HSV-2 und HIV

Bei dem Typ 2 der Herpes-simplex-Infektion, welche durch Geschlechtsverkehr ĂŒbertragbar ist, tritt oft ein Befall der SchleimhĂ€ute von Geschlechtsorganen auf. Infektionen mit HSV-2 verlaufen beim Menschen in der Regel harmlos. Bei Personen mit bereits geschwĂ€chtem Immunsystem wie beispielsweise bei Aidspatienten kann sich die HSV-2-Infektion auch auf andere Körperteile ausbreiten und lebensbedrohlich werden.

Diagnostik

Bei der Mehrzahl der einfachen HSV-Infektionen wird die Diagnose durch das klinische Bild gestellt, ein kostenintensiver Erregernachweis oder eine wenig aussagekrĂ€ftige Untersuchung auf Anti-HSV-Antikörper ist dann nicht anzustreben. Neben neurologischen und internistischen Diagnoseverfahren, die jeweils fĂŒr eine spezielle HSV-Erkrankung von Nutzen sind (Bildgebende Verfahren, Magnetresonanztomographie bei Enzephalitis, Spiegelung des Augenhintergrundes bei Retinitis, Endoskopie bei Ösophagitis u. a.), ist der Nachweis des spezifischen Erregers nur bei schweren Erkrankungen von Bedeutung. Bei Immundefizienz beispielsweise im Rahmen einer Chemotherapie oder einer Immunsuppression nach Organtransplantation hat die HSV-Diagnostik einen hohen Stellenwert, da gerade diese Patienten von gefĂ€hrlichen, generalisierten Infektionen bedroht sind.

Serologie und Erregernachweis

Der serologische Nachweis von Antikörpern gegen HSV-1 und HSV-2 ist klinisch nur sehr eingeschrĂ€nkt von Bedeutung.cite-ref-32[32] Lediglich fĂŒr epidemiologische Untersuchungen ist der Antikörpernachweis sinnvoll. Die Problematik des HSV-Antikörpernachweises beruht zum einen auf der sehr hohen PrĂ€valenz der Antikörper bei klinisch Gesunden, einer unzuverlĂ€ssigen Unterscheidung zwischen HSV-1 und HSV-2 in den meisten verfĂŒgbaren Testsystemen und einer spĂ€ten oder ausbleibenden Antikörperproduktion bei schweren HSV-Erkrankungen. Selbst bei einer generalisierten, disseminierten HSV-Infektion können Anti-HSV-IgG und -IgM Antikörper nicht oder nur sehr spĂ€t nachweisbar sein.cite-ref-33[33]

Der Nachweis von Anti-HSV-IgM-Antikörpern hat klinisch keine Bedeutung, da eine Erstinfektion bei nicht nachgewiesenen IgM-Antikörpern nicht ausgeschlossen werden kann, andererseits der erfolgte Nachweis nicht zwingend eine Erstinfektion beweist. IgM-Antikörper gegen HSV können fĂŒr Monate und Jahre persistieren, bei einer Reaktivierung erneut auftreten, bei einer Erstinfektion nicht nachweisbar sein oder auf einer relativ hĂ€ufigen UnspezifitĂ€t der kommerziellen Testverfahren beruhen. Eine nacheinander erfolgende Infektion mit den beiden HSV-Spezies erschwert zusĂ€tzlich die Interpretation des Befundes.cite-ref-34[34] Die nicht ausreichende SpezifitĂ€t der Antikörper-Suchtests bedarf einer BestĂ€tigung mittels Western Blot oder eines indirekten Immunfluoreszenztests.

Eine Erstinfektion mit HSV kann serologisch nur durch eine Serokonversion des Anti-HSV-IgG nachgewiesen werden, wenn eine zeitlich ausreichend nahe abgenommene Vorprobe negativ ist und im Verlauf eine Folgeprobe nach ein bis zwei Wochen eindeutig positiv wird. Es muss sichergestellt sein, dass die Antikörper nicht passiv erworben wurden, d. h. die PositivitĂ€t beruht nicht auf der Gabe anti-HSV-positiver Blutprodukte (Hyperimmunglobulin, Thrombozytenkonzentrat etc.) oder mĂŒtterlicher Antikörper bei Neugeborenen und SĂ€uglingen. Schwankende Mengen von HSV-IgG oder sich Ă€ndernde positive Anti-HSV-Titer besitzen klinisch keine Aussagekraft. Bei immundefizienten Personen ist zudem die Aussagekraft der Antikörperbestimmung eingeschrĂ€nkt, da bei diesen Patienten nicht ausreichend oder nur verzögert Antikörper gebildet werden können.

Die höchste Aussagekraft bei HSV-Infektionen bietet der direkte Erregernachweis in betroffenem Gewebe oder GewebsflĂŒssigkeiten (Liquor, Augenkammerwasser, BlĂ€scheninhalt etc.). Dieser wird meist durch Nachweis der viralen DNA mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) oder seltener durch Nachweis virusspezifischer Antigene im Immunfluoreszenztest durchgefĂŒhrt. Als hoch spezifische, direkte Nachweismethode ist auch die Virusisolierung in Zellkulturen möglich, die durch eine nachfolgende Differenzierung der produzierten Viren jedoch mehrere Tage in Anspruch nimmt. Ein Nachweis von Viren bei elektronenoptischer Untersuchung von infiziertem Material ist möglich, jedoch kann morphologisch nicht zwischen verschiedenen Spezies der Virusfamilie Herpesviridae differenziert werden.

Resistenztestung

Bei schweren HSV-Infektionen, die nicht signifikant innerhalb weniger Tage auf eine korrekt durchgefĂŒhrte antivirale Therapie mit Aciclovir ansprechen, besteht der Verdacht einer Resistenzentwicklung. Diagnostisch ist es möglich, die Resistenz der isolierten VirusstĂ€mme zu testen. Dazu wird das Virus auf Zellkulturen vermehrt und eine Bestimmung der noch wirksamen Aciclovirkonzentration (Minimale Hemm-Konzentration) durchgefĂŒhrt. Die wirksame Hemmung der Virusvermehrung in der Zellkultur kann ĂŒber einen Plaque-Reduktionstest oder einer Bestimmung der TCID50 in VerdĂŒnnungsreihen bestimmt werden. VirusstĂ€mme, die nur bei Aciclovirkonzentrationen von ĂŒber 3 ”M hemmbar sind, gelten als resistent.

Behandlung

Spezifische Therapie

Nukleosid-Analoga

Der erste spezifisch wirksame Wirkstoff gegen HSV-1 und HSV-2 war das Aciclovir, das auch noch gegenwĂ€rtig sowohl bei der lokalen Anwendung als auch bei schweren HSV-Infektionen als Infusion verabreicht wird und als wirksamstes spezifisches Virustatikum bei Herpes-simplex-Viren gilt. Nur Zellen, in denen das Virus aktiv repliziert, können das Aciclovir phosphorylieren und es damit in seine aktiv wirksame Form umwandeln. Das phosphorylierte Aciclovir wird von der viralen Thymidinkinase wĂ€hrend der Vermehrung des Virusgenoms in den DNA-Strang eingebaut und fĂŒhrt damit zum Abbruch der viralen DNA-Synthese. Es ist der erste Vertreter aus der Gruppe der Nukleosidanaloga. Als Valaciclovir, das erst im Organismus in Aciclovir umgewandelt wird (Prodrug), verfĂŒgt es bei einigen Anwendungen wie der oralen Therapie ĂŒber eine verbesserte BioverfĂŒgbarkeit, der antivirale Wirkmechanismus ist jedoch derselbe. Wie Valaciclovir ist auch Famciclovir eine Alternative zu Aciclovir (etwa bei der Behandlung des Herpes genitaliscite-ref-35[35]).

Aciclovir-resistente Mutationen der Herpes-simplex-Viren können sich selten unter einer Therapie entwickeln. Bei schwersten Verlaufsformen und nachgewiesener Aciclovir-Resistenz gilt Foscarnet als Alternative, das jedoch erhebliche Nebenwirkungen verursacht. Eine vollstÀndige und dauerhafte Beendigung der Infektion (also dem Verbleib der Viren im Körper) ist bisher nicht möglich, denn die Einwirkung auf infizierte Stellen der Hauteffloreszenz erreicht nicht die Viren, die im Zellkern der Nervenganglien persistieren.

Nur zur Ă€ußeren, lokalen Therapie zugelassen ist das dem Aciclovir strukturĂ€hnliche Nukleosidanalogon Penciclovir, das ebenfalls von der viralen Thymidinkinase phosphoryliert wird und zum Kettenabbruch wĂ€hrend der DNA-Synthese fĂŒhrt.

Hautcremes mit Aciclovir oder Penciclovir können den Heilungsprozess von Lippenherpes, der durchschnittlich bei fĂŒnf bis fĂŒnfeinhalb Tagen liegt, um rund einen halben Tag verkĂŒrzen. Die Wirksamkeit von Cremes und Salben mit Foscarnet, Docosanol, Tromantadin, Idoxuridin oder Zinksulfat konnte nicht nachgewiesen werden.cite-ref-36[36]

Andere spezifische Virustatika

Außer den spezifischen Nuklosidanaloga wird zur lokalen Anwendung gelegentlich auch Tromantadin verwendet.cite-ref-37[37] Tromantadin ist ein Adamantan-Derivat, das als hĂ€ufigste Nebenwirkung zu allergischen Reaktionen der Haut oder EntzĂŒndungen (Balanitis) fĂŒhren kann.cite-ref-38[38]cite-ref-39[39]

Ein essenzielles Protein der Herpesviren bei der viralen DNA-Replikation ist der Helikase-Primase-Enzymkomplex. Antivirale Wirkstoffe wie Helikase-Primase-Inhibitoren zeigen im Tierversuch (z. B. BAY 57-1293) eine antivirale AktivitÀt.cite-ref-40[40] Erste Entwicklungskandidaten werden derzeit in klinischen Studien (PhaseI/II) getestet.

Symptomatische Therapie

Bei der symptomatischen Therapie des dermalen Herpes simplex wird versucht, Hautirritationen, BlĂ€schenbildung oder eine bakterielle Superinfektion der BlĂ€schen und des Wundsekrets zu vermindern. Dies wird durch verschiedene austrocknende oder antibakterielle Wirkstoffe, die Salben und Cremes zugegeben werden, versucht. Alternativ gibt es ferner Hydrokolloid-Pflaster („Herpes-Patches“). Sie enthalten keine antiviralen Wirkstoffe, sondern schaffen ein feuchtes Wundheilungsmilieu, wodurch die LĂ€sionen ohne Krustenbildung schneller abheilen sollen. Zudem sollen die Patches durch das Abdecken der BlĂ€schen und das Aufnehmen des BlĂ€schensekrets ein Verbreiten der Herpesviren unterbinden.cite-ref-deutsche-162014-41-0[41]

Bei hĂ€ufigen AusbrĂŒchen, etwa mehrmals im Jahr, geben einige Betroffene an, das frĂŒhzeitige Aufstechen der BlĂ€schen beschleunige den Heilungsverlauf und vermindere die Ansteckungsgefahr durch das geringere Volumen der auslaufenden FlĂŒssigkeit. TatsĂ€chlich erhöht sich durch das Aufstechen jedoch das Risiko, zusĂ€tzlich an einer bakteriellen Infektion des Gebiets, einer sog. Superinfektion, zu erkranken. Da die FlĂŒssigkeit in den BlĂ€schen nur ein Symptom und nicht die Ursache der Erkrankung ist, tritt die Heilung durch das Aufstechen auch keineswegs schneller ein; das Risiko, andere Menschen zu infizieren, wird durch das dauerhafte Aussickern der FlĂŒssigkeit aus dem Wundgebiet jedoch erhöht. Die FlĂŒssigkeit in den BlĂ€schen enthĂ€lt Viren in höchster Konzentration (>1 Milliarde pro ml).

Hausmittel und alternative Behandlungsmöglichkeiten

Unterschiedlichen Hausmitteln wird ein Nutzen in der Behandlung von Herpes zugeschrieben. Die Wirksamkeit von Hausmitteln konnte bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Zu diesen Methoden gehört das Betupfen mit einer frisch aufgeschnittenen Knoblauchzehe, Zahnpasta, Honig, Melissengeist, mit heißem, frisch abgekochtem Wasser, mit Alkohol oder Isopropanol, das Einreiben mit feingemahlenem schwarzen Pfeffer und das lokale ErwĂ€rmen von betroffenen Hautpartien, etwa mithilfe eines erhitzten Teelöffels. Auch konnten Wirkung und Sicherheit von Sonnenhut, Taigawurzel, L-Lysin, Zink (als Verbindung), Bienenprodukten und Aloe vera wĂ€hrend eines Herpesausbruchs nicht sicher belegt werden. Die Erforschung der antiviralen Wirksamkeit von Teebaumöl oder Ähnlichem hat ebenfalls noch keine Hinweise auf eine Wirkung am Menschen erbracht. Bei Teebaumöl gibt es inzwischen Hinweise auf Hautirritationen nach mehrfacher Anwendung.

Nach einigen Publikationen, die vorwiegend aus den 1980er Jahren stammen, kann das Antioxidationsmittel Butylhydroxytoluol (BHT) die Dauer der BlĂ€schenbildung von durchschnittlich 2,4 auf 2,0 Tage verkĂŒrzen.cite-ref-42[42] Die HĂ€ufigkeit und Schwere des Auftretens von Herpeserkrankungen wurden jedoch nicht vermindert. ZusĂ€tzlich wurden bei systemischer Einnahme des BHT Vergiftungserscheinungen und Pseudoallergien beobachtet,cite-ref-43[43] so dass von dieser Behandlung abgeraten wurde.

Vorbeugung

Vorbeugemöglichkeiten, ein Herpes-simplex-Rezidiv zu verhindern, werden kontrovers diskutiert. Eine Vielzahl unbelegter Empfehlungen kursieren. Dazu zÀhlen die allgemeine StÀrkung der AbwehrkrÀfte durch gesunde ErnÀhrung, Bewegung und ausreichend Schlaf.

Die Vermeidung von Sonnenexposition (z. B. durch das Auftragen von Sunblocker auf die Lippen) ist laut folgender Studien mit geringerer Rezidiv-Inzidenz verbunden.cite-ref-44[44]cite-ref-45[45]

Impfstoffentwicklung

Verschiedene Versuche zur Impfstoffentwicklung wurden unternommen, die ersten schon in den 1920er Jahren, blieben aber bislang erfolglos.cite-ref-pmid22548113-46-0[46] Aufgrund der antigenischen Ähnlichkeit beider Virusspezies (HSV-1 und HSV-2) stellt die Entwicklung einer Impfung gegen eine Spezies gleichzeitig die Basis fĂŒr die Impfstoffentwicklung der anderen dar.

Der Erfolg des Windpocken-Impfstoffes zeigt, dass ein abgeschwÀchtes aktives α-Herpesvirus prinzipiell verwendet werden könnte, um einer herpesviralen Infektion beim Menschen vorzubeugen. Die Attenuierung kann somit auf HSV-1 und HSV-2 erweitert werden, wie im Falle eines ICP0-Protein-negativen Impfstoffs dargelegt ist.cite-ref-47[47] 2019 befinden sich verschiedene Impfstoffe in unterschiedlichen Phasen klinischer Studien.cite-ref-48[48]cite-ref-49[49]

Die folgende Tabelle fĂŒhrt Impfstoffe gegen HSV auf. Bis zum Jahr 2019 war kein HSV-Impfstoff kommerziell erhĂ€ltlich.cite-ref-50[50]cite-ref-51[51] Daneben wird untersucht, die Viruslatenz und die daraus folgende Reaktivierung des HSV durch die CRISPR/Cas-Methode zu unterbinden.cite-ref-52[52]

| Vaccine | Firma und Forschungsleiter | Vakzintyp | Status | Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| Anteris HSV-2 therapeutischer Impfstoff [ 53 ] [ 54 ] / COR-1 | Anteris Technologies Ltd (ehemals Admedus) Ian Frazer | DNA-Impfstoff | Phase II, wahrscheinlich eingestellt [ 55 ] | 58 % Minderung der Virusfreisetzung, Schutz bei 81 % der Geimpften nach zwei Impfungen [ 56 ] |
| dl5-29 / ACAM-529 / HSV-529 | Sanofi Pasteur David Knipe [ 57 ] | HSV-2 replikationsdefizient, mit Deletion der Gene UL5 und UL29 | Phase I | HSV529-induzierte neutralisierende und ADCC -Antikörper, zellulÀre Immunantwort aber nur in Seronegativen [ 58 ] |
| VC2 | Louisiana State University Gus Kousoulas | attenuiert mit kleinen Deletionen in UL20 und UL53 | PrÀklinisch | hemmt Infektion und Viruslatenz bei MÀusen, Meerschweinen und Rhesusaffen [ 59 ] [ 60 ] [ 61 ] |
| R2 | Thyreos LLC [ 62 ] Gregory Smith, Gary Pickard, Ekaterina Heldwein | attenuiert mit Mutationen in der R2-Region von UL37 | PrÀklinisch | hemmt Infektion bei MÀusen und Ratten nach einer Impfung [ 63 ] |
| HSV-2 ΔgD-2 | Albert Einstein College of Medicine William Jacobs Jr & Betsy Harold | attenuiertes HSV-2 mit Deletion von US6 (gD) | PrĂ€klinisch | hemmt HSV-1 und HSV-2 bei MĂ€usen [ 64 ] |
| BNT 163 [ 65 ] | Perelman School of Medicine at the University of Pennsylvania Harvey Friedman [ 66 ] & Sita Awasthi | HSV-2 trivalenter Untereinheitenimpfstoff mit gC2, gD2, gE2 [ 67 ] | Phase 1 [ 68 ] | hemmt Virusfreisetzung um 98,8 % bei MĂ€usen [ 69 ] |
| G103 [ 70 ] | Immune Design | HSV-2 trivalenter Untereinheitenimpfstoff mit gD, pUL19, pUL25 | PrÀklinisch | Schutz vor letaler intravaginaler HSV-2-Infektion bei MÀusen [ 71 ] |
| GV2207 [ 72 ] | GenVec | ? | PrÀklinisch [ 72 ] | ? |
| NE-HSV2 [ 73 ] | NanoBio [ 74 ] | ? | PrÀklinisch | ? |
| PBSVax [ 75 ] | Profectus BioSciences | DNA-Impfstoff | Antigenermittlungsphase | Nicht verfĂŒgbar |
| HSV-2 ICP0‟ HSV-2 0ΔNLS [ 76 ] | Rational Vaccines RVx William Halford [ 77 ] | attenuiert | Kontroverse um EinverstĂ€ndniserklĂ€rung der Geimpften [ 78 ] | Schutz vor Erkrankung bei 65 % der Geimpften [ 79 ] |
| Vitaherpavac & Herpovax | Russland | ? | ? | ? |

| Vakzin | Vakzin | Organisation | Vakzintyp | Grund | Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|---|
| Herpevac, Simplirix | Herpevac, Simplirix | GlaxoSmithKline | Untereinheitenimpfstoff gD2t mit Adjuvans AS04 [ 80 ] [ 81 ] | In Phase III durchgefallen [ 82 ] | keine statistisch signifikanten Ergebnisse [ 83 ] , keine Auswirkung auf HSV-2, teilweiser Schutz gegen HSV-1 bestÀtigt [ 84 ] |
| Unbenannt [ 85 ] | Unbenannt [ 85 ] | PaxVax (jetzt: Bavarian Nordic ) | Vektorimpfstoff [ 86 ] | Abbruch in der prÀklinischen Phase [ 87 ] | - |
| ImmunoVEX HSV2 vaccine | ImmunoVEX HSV2 vaccine | Amgen , BioVex | attenuiert [ 88 ] | Abbruch in Phase I [ 89 ] | - |
| Gen-003 | Gen-003 | Genocea | Untereinheitenimpfstoff gD2/ICP4 mit Matrix M2 | Abbruch nach Phase II | 58 % Minderung der Virusfreisetzung, 69 % Schutz [ 90 ] |
| AuRx Herpes Vaccine | AuRx Herpes Vaccine | AuRx [ 91 ] | Vektorimpfstoff [ 92 ] | Inaktiv | - |
| DISC vaccine [ 93 ] | DISC vaccine [ 93 ] | Cantab Pharmaceuticals | attenuiert mit Deletion von gH | Abbruch in Phase I | kein Nutzen |
| Unnamed [ 94 ] | Unnamed [ 94 ] | Mymetics | ? | Abbruch in der prÀklinischen Phase | - |
| HerpV | HerpV | Agenus | Peptidimpfstoff mit Adjuvans QS-21 | Abbruch nach Phase II [ 95 ] | - |
| VCL-HB01 [ 96 ] | VCL-HB01 [ 96 ] | Vical | DNA-Impfstoff von gD2+UL46 mit Adjuvans Vaxfectin | Abbruch nach Phase II | kein Nutzen [ 97 ] |

Meldepflicht

In Deutschland und der Schweiz besteht keine gesetzliche Meldepflicht fĂŒr Herpes-simplex-Infektionen. In Österreich sind ausschließlich der Verdacht, die Erkrankung und der Tod an einer HSV-assoziierten Meningoenzephalitis meldepflichtig.

Literatur

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Weblinks

Commons

: Herpesviridae

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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Einzelnachweise

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